Zitate

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Zitate aus der Feldpost meines Onkels Otto geben die Situation und die Befindlichkeiten der Bevölkerung relativ prägnant, eindringlich und teilweise pointiert wieder. Naturgemäß sind die Zitate durch den einheimischen Dialekt beeinflußt.

Im folgenden habe ich die Zitate grob in die Rubriken Heimat und Militär aufgeteilt. Innerhalb der Rubriken sind die Zitate chronologisch angeordnet.

  • Nun ist es still im Niesassener Dörfchen.
    (19.02.41, Anonym)
  • Es ist bei uns jetzt auch nicht mehr schön. Alles ist fort, nur die Weiber und alte Männer kann man mehr treffen.
    (17.03.41, Anonym)
  • Man bekommt bald gar nichts mehr.
    (18.03.41, Madlmüllnerin)
  • Daheim ist es auch nicht mehr schön, weil niemand mehr da ist.
    (11.04.41, Andre Sophie)
  • Blaibach ist ja auch blos so ein Nest. Mädel gibt es hier im Überfluß. Aber das ist auch das einzig Gute was hier ist.
    (23.04.41, Anonym).
  • Wir haben auch einen Radio, wir hören jetzt auch die Nachrichten.
    (24.04.41, Bahlsen)
  • Bei uns müßen jetzt sehr viel einrüken, wird bald niemand mehr da sein.
    (24.04.41, Bahlsen)
  • Den Irbeck Pold den erwischt es jetzt auch. Montag muß er fort. Wird hart sein für ihm, wenn er weg muß von seinem Mädel.
    (24.04.41, Bahlsen)
  • Wir hofen doch sicher daß es heuer noch zu Ende gehen wird.
    (27.04.41, Großmutter Kolbeck Maria)
  • Wie wir da sehen mußt Du einen Posteinlauf haben wie ein Minister.
    (01.06.41, Bruder Anton)
  • Du mußt da hineinsitzen und wir können uns wieder recht plagen
    (15.06.41, Madlmüllnerin)
  • Ich wurde auch noch Maurer. Das ist das schönste Geschäft; mann wird dabei bedient.
    (04.11.41, Madlmüllner)
  • Wenn der Weg jetzt im Winter nicht gar zu schwierig ist zur Post
    (04.01.42, Otto)
  • Wer weis haben die Soldaten so viel Angst wie wir daheim.
    (14.01.42, Anonym)
  • aber die Soldaten man denkt halt immer an sie besonders an manche
    (14.01.42, Anonym)
  • Es ist ja daheim auch nichts mehr, mir gefällt das allerschönste nicht mehr. Alles ist wie ausgestorben.
    (15.01.42, Andre Sophie)
  • Wir können kein Päckl schicken, kommt alles retur, mit der Anschrift 50.Gr. da können Sie einmal richtig fett werden.
    (15.01.42, Andre Sophie)
  • Recht gerne würden wir daheim ein wenig mehr frieren, wenn wir den Soldaten etwas abnehmen könnten, die in Rußland sind. Die sind wirklich zum Bedauern.
    (15.01.42, Andre Sophie)
  • Da geht noch alles drauf, wenn es nicht bald dem Ende zugeht.
    (15.01.42, Anonym)
  • Werden bald die Kinder und die alten Weiber alleine sein, und die jungen Kerle müssen draußen ihr Leben aufopfern.
    (15.01.42, Anonym)
  • Was wird dieser Krieg noch für Unheil anstiefeln.
    (08.02.42, Andre Sophie)
  • wann wird den der Krieg einmal zu Ende. Ist das was jetzt auf der Welt
    (01.03.42, Anonym).
  • wenn die Bauern nicht selber etwas ernten die Markendrucker können uns nichts geben
    (16.03.42, Madlmüllnerin)
  • Mit der Hitler Jugend geht es auch in Zenching wieder an Gestern war ich beim Appel nun es war zum lachen die halbe Zeit wurde zwischen den früheren und den andern Hitler-Jugend gestritten. Die andere Zeit gesungen. Auf jeden Fall, beim nächsten Appel bleibe ich daheim.
    (16.03.42, Bruder Anton)
  • Dieser Krieg bringt in viele Familien Elend und Not.
    (12.04.42, Anonym)
  • Mich ärgert nur das eine weil daheim Haufen Wagnerei ist wo man sich Geld verdienen könnte und da muß man die ganze Zeit nutzlos verbummeln.
    (24.05.42, Otto)
  • Macht nur frühzeitig ein Gesuch wenn es der Ernte zugeht, denn man darf nichts unversucht lassen. Malt bei den Erntegesuch den Teufel etwas an die Wand, weil es sonst bei dem jetzigen Chef blos auf die Seite gelegt wird.
    (28.06.42, Otto)
  • Alle noch so junge Buben werden bald zusammen gesucht sein.
    (23.07.42, Bahlsen Marl)
  • Wenn das so weiter geht hab ich von meinen Schulkameraden keinen mehr.
    (11.11.42, Otto)
  • Liebe Eltern, fern bin ich von Euch und meiner Heimat, meine schönste Zeit ist vorbei.
    (13.02.41, Otto)
  • Froh wär ich schon wenn ich vor Einsatz meine Heimat noch einmal sehen könnte.
    (11.03.41, Otto)
  • Die Hälfte seines Lebens wartet der Soldat vergebens.
    (22.03.41, Otto)
  • Wenn Ihr nicht bald frei werdet dan schieben sie Euch auch noch hinein nach dem unermeßlichen Rußland
    (22.06.41, Madlmüllnerin)
  • ich sehne den Tag herbei wo wir wieder rauskomen.
    (09.09.41, Otto)
  • Post haben wir bis jetzt ein einziges mal bekommen. Weiß der Teufel wo die in der Weltgeschichte herumwandert.
    (05.10.41, Otto)
  • Liebe Mutter, wenn ich Dir da raten darf so richte Deine Vorratskammer her, denn Du wirst einen ziemlich ausgehungerten Otto zum essen bekommen.
    (05.10.41, Otto)
  • Leider kommen wir aber bald wieder nach dem verfluchten Rußland. Hoffentlich ist derweil die größte Kälte vorüber.
    (17.01.42, Otto)
  • Meinem Bruder Josef hat's in dem kalten Rußland die Füße und das Gesicht gefroren. Da geht es immer zünftig zu.
    (08.02.42, Andre Sophie)
  • Ich habe damals 14 Tage nichts geschrieben weil ich kein Papier hatte und mußte auf das Eure warten.
    (08.02.42, Otto)
  • In diesen verfluchten Rußland werden noch viele dranglauben müssen.
    (13.02.42, Otto)
  • Ein Bier gibt es jetzt das reinste Wasser. Gott sei Dank bin ich kein Bierfreund.
    (07.03.42, Otto)
  • Was der Xaver in Rußland mitgemacht hat kann sich kein Mensch vorstellen, der es nicht selbst gesehen hat.
    (13.03.42, Otto)
  • Als ich das Packet von der Schreibstube abholte, schickte mich der Stabs. feldw. gleich fort um drei Mann, die mir tragen helfen mußten, das gab natürlich eine Pfundsgaudi.
    (13.03.42, Otto)
  • Man weiß ja Soldaten, andere Städtchen andere Mädchen.
    (14.04.42, Anonym)
  • Jetzt wo die Pakete wieder im laufen sind brauche ich wohl keine Not zu leiden.
    (18.04.42, Otto)
  • Überhaupt weiß ich nicht mehr wie es ist satt zu sein und genug zu haben.
    (28.06.42, Otto)
  • Liebe Eltern, wollt Ihr Euren Sohn noch retten, so schickt ihm wieder mal Packetchen.
    (28.06.42, Otto)
  • Wie alt werd ich wohl sein wenn ich wieder frei werde?
    (07.07.42, Otto)
  • glück habe ich sowie so unbändig sonst wäre ich schon lange an der Front.
    (20.07.42, Otto)
  • Die ganze Zeit hier habe ich mich immer noch halten können und jetzt ist halt auch meine Zeit gekommen.
    (24.07.42, Otto)
  • Den Durchfall haben auch die meisten schon, den ja jeder bekommt der russischen Boden betritt.
    (30.08.42, Otto)
  • Mit der Verpflegung komm ich aus. Beim Barras ist halt doch besser als beim Arbeitsdienst.
    (07.09.42, Otto)
  • Wenn es mir nachts auch etwas wärmer wäre. Wenn man draußen im freien in den Zelten schläft ist es ziemlich kalt. In die Russenhäuser zu gehen, wäre gleich Bekanntschaft mit Läußen Flöhen und sonstigen Ungeziefer zu machen. Lieber friert man ein wenig als sich mit diesen Parasiten herumzuschlagen.
    (09.09.42, Otto)
  • Wenn ich blos mal eine Feldpostnummer hätte, damit Ihr mir schreiben könntet!
    (30.08.42, Otto)
  • Ich schreibe hier auf einem Kraftfahrzeug, das mitten in der weiten Steppe steht. Es ist Nacht und habe hier ein ganz erbärmliches Licht und dazu friert mich noch anständig in die Finger.
    (16.10.42, Otto)
  • Meine Briefpost, die in der Kaserne ziemlich auf Touren lief habe ich zu 80% eingestellt. Die viele Schreiberei hat hier im Felde nicht viel wert.
    (16.10.42, Otto)
  • Komme mir zwar vor wie Karl May der sich auch immer in den entlegensten Gegenden der Welt herumtrieb.
    (16.10.42, Otto)
  • Zur Zeit liegen wir in Ruhe hinter der Front. Von Ruhe hab ich aber bis jetzt noch nichts gemerkt. Den ganzen hat man keine freie Minute, die Sachen in Ordnung bringen, Ausbildung und sonstigen Arbeitsdienst, da hat man den ganzen Tag seine Arbeit. Wir haben uns in die Erde gewühlt, genau wie die Maulwürfe. Ist aber ganz schön warm. Wir sagen blos immer, die daheim sollten uns sehen wie wir hausen, die würden die Hände übern Kopf zusammen schlagen. Ist aber nicht anderes möglich, weil eben weit und breit in dieser einsamen Steppe kein Haus steht.
    (23.10.42, Otto)
  • es friert mich schon ganz elendig in die Finger.
    (29.10.42, Otto)
  • Wenns auch nicht viel ist aber an der Front ist man um alles froh.
    (29.10.42, Otto)
  • Gestern war ich wieder einmal in Stalingrad mit einen Lastwagen der Brennholz holte. Diese riesige Stadt ist ein einziger Trümmerhaufen. Wo nicht mehr gekämpft wird sind die Straßen totenstill. Das muß man sich vorstellen, eine Stadt und alles menschenleer wie das wirkt.
    (11.11.42, Otto)